Die folgenden "Leserbeiträge" zu den geplanten Brandschutzmaßnahmen am Hans-Purrmann-Gymnasium wurden in der Rheinpfalz veröffentlicht.

Leserbriefe zum Brandschutz

"Verhunzte Innenarchitektur"

Zur Diskussion um den Brandschutz am Hans-Purrmann-Gymnasium, Artikel am 12. und 14. April: Als ehemaligem Lehrer am „Purrmann“ graut mir beim Gedanken an die geplanten Brandschutzmaßnahmen. Großzügige lichtdurchflutete Flure sollen unterteilt und abgemauert werden. Ein großes Treppenhaus soll beidseitig zugemauert werden und nur durch je zwei Türen zu betreten sein. Eine breite Treppe soll der Länge nach halbiert und somit nicht mehr in alle Richtungen begehbar werden. Ein von Schülern unter der Treppe kunstvoll angelegter Brunnen wird zerstört werden. Wo bleibt das ästhetische Empfinden, wenn man nur noch auf Mauern blickt?Außerdem darf bezweifelt werden, dass die Bauarbeiten in den Ferien abgeschlossen werden können, es wird also auch zu wochenlangen massiven Beeinträchtigungen des Unterrichts kommen. Bei den Planungen scheint nur der Rauchabzug im Brandfall eine Rolle gespielt zu haben, nicht aber, wie über tausend Lehrer und Schüler tagtäglich mit einer derart verhunzten Innenarchitektur umgehen und leben sollen, und bei einem Feuer müssten Hunderte Schüler letzten Endes durch zwei Türen den Weg ins Freie suchen. Unfassbar, wer sich so was ausdenkt! Schilda und Duisburg lassen grüßen!

Aber zum Glück hat die Schulgemeinschaft eine sinnvolle Alternative mit zwei externen Treppen vorgeschlagen, und es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidungsträger (eventuell nach einem Ortstermin) nicht nur den Rauch, sondern auch die betroffenen Menschen in ihre Überlegungen mit einbeziehen.

Hans-J. Weiland, Böhl-Iggelheim

 

"Änderungen im täglichen Ablauf"

Nachdem ich dem Aufruf gefolgt bin und mir am Dienstag die geplanten Maßnahmen zur brandschutztechnischen Sanierung des Treppenhauses, die mit sehr viel Engagement durch die Schule plastisch und eindrucksvoll dargestellt wurden, angeschaut und die vielen Diskussionen gehört habe, wird klar, dass diese Maßnahmen bei einer Umsetzung, die in 2016 noch beginnen soll, erhebliche Änderungen im täglichen Schulablauf mit sich bringen werden. Meine beiden Kinder, die das HPG besuchen, berichten ebenfalls nichts Gutes nach erster Besichtigung und Benutzung.Es herrscht wohl ziemlich viel Erstaunen bei Schülern, Eltern, Lehrern und Parteifunktionären ob der gewählten Sanierungsvariante. Brandschutz ist wichtig und richtig. Auch dass die Ästhetik unter so mancher Maßnahme leidet, kann ich verstehen, Sicherheit geht vor. Allerdings zeigt die Schule klar auf, dass diese Maßnahme bei geplanter Umsetzung viele Nachteile hat. Die Wechselzeiten zwischen den Unterrichtsstunden reichen nicht mehr, als eine der vielen Folgen der dann längeren täglichen Schulzeit wird es mit den Bussen problematisch, wichtige Flächen, die als Kommunikationsräume dienen, fallen weg, Rettungswege im Normalbetrieb werden länger und enger etc., um nur einige Nachteile zu nennen.

Ändert sich etwas, das Jahrzehnte eine feste Größe darstellte, fallen andere Abläufe wie Dominosteine mit um. Und es fallen viele Steine. Das muss hier mit in den Diskussionen, die jetzt hoffentlich bei den Verantwortlichen der Stadt entstehen, berücksichtigt werden. Da die Brandschutzsanierung des Treppenhauses nur ein Teil des kompletten Projektes sein kann – von den anderen Dingen weiß man nur wenig – wird dies nicht der einzige Stolperstein bleiben. Oder ist dies nur eine erste Teilsanierung?

Ich hoffe, es besteht die Bereitschaft Lösungen zu finden, mit der alle Seiten leben können und die in der täglichen Praxis nicht stören, auch wenn diese finanziell etwas aufwendiger sind. Man möge sich in Erinnerung rufen, für welche Maßnahmen derzeit Geld aufgewendet wird, die keinen sicherheitsrelevanten Hintergrund haben. Das HPG ist meines Wissens nach das erste Schulgebäude, das brandschutztechnisch saniert werden soll. Die anderen sollten beim HPG genau hinschauen, dort die Leute unterstützen und sich wappnen.

Michael Sengel, Römerberg

 

"Angenehme Arbeitsatmosphäre"

Wenn man, wie ich, seit knapp acht Jahren das Hans-Purrmann-Gymnasium besucht, schätzt man den offenen Charakter sehr. Doch nun soll aus einem lichtdurchfluteten Treppenhaus ein architektonisches Denkmal werden. Brandschutz ist gut und auch wichtig, doch es gilt den Kopf einzuschalten. Durch eine Trennung des bestehenden Treppenhauses würde man zwar allen Brandschutzrichtlinien gerecht werden, aber der Sicherheit im Ernstfall würde es nicht helfen. Das vorgelegte Konzept der Stadt sieht vor, dass man aus einem großen Treppenhaus, auf dem es im täglichen Schulalltag schon Staus gibt, zwei halbe Treppenhäuser und zwei unabhängige Fluchtwege entstehen lässt.Bei einem Brand in einem der beiden zukünftigen Treppenhäuser wäre es eine Zumutung, bis zu 700 Schüler gleichzeitig durch ein halb so breites Treppenhaus wie bisher zu evakuieren. Klaustrophobische Ängste beim Nutzen des dunklen Treppenhauses und längere Wechselzeiten zwischen den Stunden wegen der deutlich längeren Wege wären weitere Begleiterscheinungen. Durch ein Konzept, welches zwei Außentreppen statt einer Trennung des Treppenhauses vorsieht, würde man drei Fluchtwege anstelle von zwei halben schaffen. So würde die Sicherheit enorm gesteigert, aber auch die angenehme Arbeitsatmosphäre in dem bisher offenen und lichtdurchfluteten Treppenhaus bliebe erhalten. Deshalb gilt es nicht nur auf die eventuell höheren Kosten zu achten, sondern auch die Sicherheit und Atmosphäre für knapp 1200 Schüler und Lehrer zu berücksichtigen. Es sollte eine Schule bleiben, die von den Schülern aufgrund des besonderen Charakters geschätzt wird und (...) keinen bedrückenden und dunklen Eindruck macht.

Thorben Sawall, Römerberg

(Die Beiträge wurden ebenfalls in der Rheinpfalz am 19. April veröffentlicht.)