15 1204 Fairtrade Urkunde HP

Der faire Handel ist am Hans-Purrmann-Gymnasium (HPG) schon lange ein Thema. Nun darf es sich auch Fairtrade-Schule nennen. Im Auftrag des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft nahm Andreas Bauer, Berater im Programm Bildung für nachhaltige Entwicklung, am vergangenen Donnerstag die Siegelverleihung vor.

Um eine Fairtrade-Schule zu werden, musste das HPG mehrere Kriterien erfüllen. Der Verkauf und Verzehr von fair gehandelten Lebensmitteln an der Schule ist dabei eine Voraussetzung, der das HPG schon lange nachkommt. Dazu gehört, dass eine Schüler-AG in den Pausen einen FAIRkauf organisiert und der Kaffee im Lehrerzimmer selbstverständlich aus fairem Handel stammt.
Im Unterricht wird das Thema Gerechtigkeit im Welthandel in mehreren Unterrichtsfächern von Erdkunde bis Religion behandelt. Dabei wird die Theorie verknüpft mit Unterrichtsgängen zu Einzelhandelsgeschäften, um die Herkunft ihrer Waren zu erforschen. Auch Besuche im Weltladen verbunden mit Informationen über Standards des fairen Handels gehören zum Unterrichtsprogramm. Bei Projekttagen versetzen sich Schüler in die Rolle von Näherinnen in Bangladesh und erfahren deren Ausbeutung am eigenen Leib.
Zu einer Fairtrade-Schule gehören auch Aktionen, die über den Schulunterricht hinausgehen. In dieser Woche sammeln die Schüler ungenutzte Althandys, die mit Hilfe der Stadtwerke einem umweltgerechten Recycling zugeführt werden. Das spart nicht nur Rohstoffe und schont die Umwelt, sondern viele Bestandteile des Handys werden unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut. Werden diese Rohstoffe durch Recycling eingespart, ist es für die Unternehmen zumindest weniger attraktiv, sie weiter abzubauen.
Damit das Engagement für den fairen Handel und weltweite Gerechtigkeit am HPG verankert bleibt und weiter ausgebaut wird, hat sich ein Schulteam gebildet, dem neben den Schülern der Fairtrade-AG auch Lehrer und Eltern angehören. Es wird geleitet durch die Religionslehrerin Dr. Monika Bossung-Winkler, die auch zum Steuerungskreis der Kampagne „Fairtrade-Stadt Speyer“ gehört. Im Zuge dieser Kampagne werden weitere Einrichtungen gebraucht, die den fairen Handel mit ins Programm aufnehmen. Das HPG ist zwar die erste Fairtrade-Schule der Stadt – sollte aber nicht die einzige bleiben.

 

Rede von Herrn Andreas Bauer anlässlich der Auszeichnung des Hans-Purrmann-Gymnasiums Speyer zur Fairtrade-School am 3.12.15

Sehr geehrter Herr Heinz, sehr geehrte Frau Bossung-Winkler, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Schulgemeinschaft,

Ich freue mich, dass ich im Namen von Fairtrade Deutschland und des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Ihre Schule auszeichnen darf!

Mein Name ist Andreas Bauer, ich komme aus Landau, wo ich an der Konrad-Adenauer-Realschule plus unterrichte. Darüber hinaus bin ich im Auftrag des Landes BNE-Berater (BNE – Bildung für nachhaltige Entwicklung) und betreue hier in der Südpfalz ein Netzwerk aus mittlerweile etwa 30 Schulen, die im Bereich BNE – Umweltbildung besonders aktiv sind. Ich berate umweltpädagogische Einrichtungen (sog. SchUR-Stationen) und führe Lehrerfortbildungen im Bereich BNE durch (die letzte übrigens hier in Speyer an Bord des Gewässerforschungsschiffes MS Burgund zum Thema „Schwimmendes Klassenzimmer“). Seit diesem Schuljahr bin ich zudem auch Referent für BNE im nahe gelegenen Pädagogischen Landesinstitut hier in Speyer.

Im August 2012 hat Fairtrade Deutschland die Kampagne „Fairtrade-Schools“ gestartet. Das Ziel: Engagierte Schulen tragen ihr Engagement nach außen und zeigen: Wir unterstützen den fairen Handel!

Mittlerweile haben sich 300 Schulen bundesweit für die Kampagne registriert, Ihre Schule ist die 178. Fairtrade-School Deutschlands, die ausgezeichnet wird, die elfte in Rheinland-Pfalz und die erste in der „Fairtrade-Town Speyer“!
 
Warum ist es wichtig, sich mit dem fairen Handel zu beschäftigen? Der globale Süden stellt viele unserer Konsumgüter, etwa Kleidung und Nahrung, her. Unter welchen Verhältnissen werden diese Produkte hergestellt? Wie sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Produzenten und Bauern? Durch den fairen Handel erhalten die Produzenten und Bauern einen Mindestpreis, der sie vor Preisschwankungen schützt, zusätzlich können durch die so genannte Fairtrade-Prämie bspw. Schulen und Krankenhäuser gebaut werden. 132 Millionen Kinder weltweit können nicht zur Schule gehen, u.a. aus dem Grund, weil es in dem Dorf, in dem sie leben, keine Schule gibt. Der faire Handel kann hier eine große Unterstützung sein.

Ihre Schule ist ein Teil dieser Bewegung und darauf können Sie stolz sein! Beeindruckend, was Ihre Schule neben dem normalen Schulalltag leistet! Seit dem Schuljahr 2012/13 existiert ein wöchentlicher „Fairverkauf“, im Lehrerzimmer gibt es schon seit Jahren fair gehandelten Kaffee und seit diesem Februar verkaufen jeweils zwei Schülerinnen und Schüler im Pausen-Fair-Kauf verschiedene Schokoprodukte, Maniok-Chips und Säfte. Eine Klasse hat die Fairtrade-Angebote der Stadt Speyer dokumentiert und an einem bundesweiten Wettbewerb des Bundespräsidenten teilgenommen.

Ein neues Thema Ihrer Schule ist das Einsammeln von Alt-Handys, was übrigens die BNE-Schulen der Südpfalz vor einigen Jahren in Kooperation mit dem Zoo Landau, dem Naturschutzbund Deutschland und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt durchgeführt haben: Hunderte von Alt-Handys konnten einem ordnungsgemäßen Recycling zugeführt werden, der Erlös wurde für nationale und internationale Naturschutzvorhaben gespendet. Ich wünsche Ihnen auch bei diesem Thema viel Erfolg!

Ihre Schule hat alle Kriterien einer Fairtrade-School erfüllt! Daher an dieser Stelle meine Hochachtung, besonders auch für das engagierte Schulteam unter der Leitung von Frau Bossung-Winkler!  

Nach zwei Jahren wird von Fairtrade Deutschland überprüft, ob noch alle Kriterien einer Fairtrade-
School erfüllt sind. Wir freuen uns daher auf tolle weitere Aktivitäten den fairen Handel tatkräftig an die Schule zu bringen!

Nachdem das Banner und der Verkaufskiosk ja schon seit einigen Wochen im Einsatz in der Schule sind, freue ich mich, Ihnen endlich auch die Urkunde zu übergeben!

Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg in der Zukunft!

Andreas Bauer
Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz

Bei Interesse am BNE-Netzwerk und den zahlreichen Unterstützungsangeboten:

http://nachhaltigkeit.bildung-rp.de