Rohstoffabbau – ethisch vertretbar?

„Eigentlich habe ich von Gold keine Ahnung“, mit diesen Worten wurden die Schülerinnen und Schüler der Grundkurse katholische Religion (Fr. Bossung-Winkler) und Ethik (Hr. Dürk) des Hans-Purrmann-Gymnasiums im Landtag von Herrn Dr. Hartmut Heidenreich begrüßt. Von Haus aus Theologe, kam Heidenreich durch die Beschäftigung mit der Befreiungstheologie nach Peru und musste dort erleben, wie Gold unter fragwürdigen ökologischen und sozialen Bedingungen abgebaut wird.

 Politikdialog Mainz 2015

In dieser Gesprächsrunde konnte Heidenreich den Jugendlichen doch recht viel über Gold erzählen: Es gibt den industriellen Tagebau, bei dem Landschaften zerstört, Lagunen ausgetrocknet und Menschen und Flüsse durch den Einsatz von Zyanid vergiftet werden. Dabei verlieren die peruanischen Kleinbauern ihr Land und müssen für einen Hungerlohn für die Bergbaufirmen arbeiten. Auch der – meist illegale – Abbau der selbständigen Kleinschürfer ist nicht weniger schädlich, weil das Gold durch giftiges Quecksilber aus dem Gestein gelöst wird.

Dabei – so meinte Heidenreich in seinem Vortrag – könnten wir auf den Goldabbau ganz verzichten, wenn wir die Möglichkeiten des Recycling nutzen würden. Gold ist nämlich ohne Qualitätsverlust recycelbar und nur 15 Handys würden ausreichen, um 1 Tonne Golderz einzusparen. Das meiste Gold würde jedoch gar nicht für die Herstellung elektronischer oder medizinischer Geräte benötigt, sondern diene als Schmuck oder Investitions- und Spekulationsobjekt von Staaten, Banken und Privatpersonen.

„Volkswirtschaftlich hat Gold eigentlich keine Bedeutung mehr, seit die führenden Industrienationen ihre Währung nicht mehr durch die Goldreserven absichern müssen. „Zwar sind die USA (8000 t) und Deutschland (3000 t) noch die Länder mit den meisten Goldreserven in ihren Banken, ein wirtschaftlich bedeutendes Land wie Japan besitzt jedoch nur 265 t Gold.“ Dieses Gold könnte man problemlos für die Industrie nutzen.

Nach diesem Eingangsstatement erläuterte die Landtagsabgeordnete Ruth Ratter von Bündnis 90/die Grünen, dass auch in Rheinland-Pfalz Rohstoffe wie Kies und Sandstein abgebaut werden, teilweise sogar Erdöl. Für uns sei es jedoch v.a. wichtig, zu schauen, unter welchen ökologischen und sozialen Bedingungen die Rohstoffe, die wir beziehen, gefördert werden. Unser Konsumverhalten habe direkte Auswirkungen auf den Klimawandel und auch die Lebensbedingungen von Menschen im Globalen Süden.

Beim Thema der Beschaffung von Rohstoffen und einem fairen und nachhaltigen Konsum kam es zu einer regen Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern. Besonders kontrovers wurde es bei der Frage nach einem sinnvollen Konsumverzicht. Die Notwendigkeit des Recyclings war den Jugendlichen jedoch sehr einsichtig und wirkt sich hoffentlich auch in ihrem Handeln aus.

Organisiert hatten diesen Polit-Dialog Svenja Enke vom entwicklungspolitischen Landesnetzwerk ELAN und Dr. Monika Bossung-Winkler, Religionslehrerin am Hans-Purrmann-Gymnasium und Referentin für Globales Lernen im Bistum Speyer.